Unseriöses Geschäftsverhalten der Badenia Bausparkasse

1. Badenia und DVAG
1.1. Geschichte der Strukturvertriebe
1.2. Die Abzock-Tricks
1.3. Entlarvung der DVAG
1.4. Das Abzock-Geschäft geht weiter
2. Badenia und Heinen&Biege
2.1. Aachener-Münchener Beteiligungskonzern und „Neue Heimat"-Immobilien
2.2. Heine&Biege als „genialer" Vertriebspartner für Immobilien, Bausparverträge und Immobilienkredite
2.3. Badenia – getrübte Wahrnehmung für Betrug?
2.4. Wissensvorsprung der Badenia– Fatale Folgen für die Anleger
2.4.1. Objekte
2.4.2. Verkehrswert – Beleihungswert
2.4.3. Finanzierung
2.5. Warnsignale – na und?
2.6. Badenia - Volldampf voraus!

1. Badenia und DVAG

1.1. Geschichte der Strukturvertriebe

Strukturvertriebe sind als Drücker- und Abzockfirmen in der Finanzierungsvermittlungs-branche für private Anleger berüchtigt. Für die Jahre 1990 bis 1995 heißt es in einer Statistik des Bundeskriminalamtes, dass für die pro Jahr auf 40 bis 50 Milliarden DM geschätzten Vermögensschäden mindestens zu 25 Prozent Strukturvertriebe verantwortlich seien (Verlag Handelsblatt Artikel 02/99).

Die Geschichte der Strukturvertriebe in Deutschland beginnt 1956 mit Bernie Cornfeld, der aus den USA das „Multi Level Marketsystem – dt.: mehrstufiges Markteroberungssystem“ (MLM) als Vertriebsform für seine Investment-Gesellschaft IOS mitbrachte. Mit astronomischen Erfolgen seiner Investmentfonds sorgte er für Aufregung in der deutschen Finanzwelt. Die geschickte Einbindung des damaligen Vizekanzlers Erich Mende (FDP) als Verwaltungsrat-Vorsitzenden machte die IOS zunächst „salonfähig“; doch 1970 ging das IOS-Imperium unter skandalösen Umständen mit Totalverlusten für die Anleger zugrunde.

Das System des „Strukturvertriebs“ hatte sich jedoch als äußerst profitabel erwiesen und wurde aggressiv weiterentwickelt. Dr. Reinfried Pohl, ehemaliger stellvertretender Vorsitzender des IOS-Verwaltungsrats, und andere gründeten unverzüglich neue „Allfinanz“-Gesellschaften. Zusammen mit dem Deutschen Herold entwickelte Dr. Pohl die „Bonnfinanz“ zum ersten rein deutschen Allfinanz-Strukturvertrieb. Nach Turbulenzen im Gefolge des Börsenkrachs von 1974 trennte sich die „Bonnfinanz“ von Pohl, der daraufhin eine eigene Gesellschaft gründete, die ab 1983 als DVAG (Deutsche Vermögensberatung AG) firmiert. Die DVAG entwickelte sich in wenigen Jahren zum größten und erfolgreichstenVermittler für Versicherungen, Bausparverträge und andere Geldanlagen.

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1.2. Die Abzock-Tricks

Garanten des Erfolges sind allerdings nicht etwa gute, kundenorientierte Produkte sondern vielmehr die aggressive, auf Provisionen ausgerichtete Verkaufsstrategie des mehrstufigen Strukturvertriebs. Produkte, die hohe Provisionen für die Vermittler abwerfen, sind zwangsläufig für die Anleger unrentabel bis schädlich. Auf der untersten Ebene vermittelt ein Heer von Berufseinsteigern und Nebenberuflern die Produkte der kooperierenden Versicherungsgesellschaften, Bausparkassen, Investment- und Immobilienfonds. Deren Ausbildung erfolgt in Kurzseminaren und beschränkt sich auf perfide Verkaufsgesprächsführung und sektenähnlicher Psycho-Indoktrination ( „Mit unserer starken Gesellschaft bist du erfolgreich..., wirst du reich!!“). Zunächst wird das persönliche Umfeld (Verwandte, Bekannte, Arbeitskollegen und Vereinsfreunde) abgegrast. Der Vertrauensvorschuss aus der persönlichen Bekanntschaft wird in Zusammenwirkung mit suggerierter Kompetenz und Psychotricks wie Irreführung, Verschleierung und Zeitdruck brutal zu Überrumpelungsgeschäften missbraucht.
Die Provisionen sind auf der unteren Stufe noch gering, da der Großteil den in der Hierarchie oberhalb Stehenden zugute kommt. Deshalb versuchen die „Drücker“ oder „Strukkis“ gleichzeitig die übertölpelten Kunden als neue Mitarbeiter zu gewinnen, die dann ihren Bekanntenkreis abgrasen und an deren Provisionen die Erstgenannten jetzt mitverdienen. So kann es dann – mit Skrupellosigkeit und entsprechendem „Erfolg“ – Stufe um Stufe höher gehen.

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1.3. Entlarvung der DVAG

Anfang des Jahres1996 enthüllt Wolfgang Dahm, Aussteiger aus der DVAG, deren Abzocksystem in seinem Buch „Beraten und verkauft“. In dem aufsehenerregenden Artikel „Ein Heer von Nieten“ berichtet der Spiegel im Februar 1996 über diese Enthüllungen. Zitate aus dem Spiegel-Artikel:

„Das Wirtschaftsmagazin DM ließ für die Februarausgabe (1996) Empfehlungen eines DVAG-Geschäftsstellenleiters von Experten nachrechnen. Das Ergebnis war vernichtend. Die Rendite-Versprechungen eines Bausparvertrags erwiesen sich als Milchmädchenrechnung. Bei der als Altersversorgung vorgeschlagenen Rentenpolice - 300,- DM im Monat, 30 Jahre lang – büße der Kunde, so rechnete ein Mathematiker aus, zum Ende 78.009,- Mark ein.
[...]
Um Provisionen zu schinden, so der Aussteiger, würden der ahnungslosen Kundschaft Bausparverträge mit überhöhten Summen aufgeschwatzt oder hintereinandergeschaltete Verträge verkauft – die sogenannten Tandem-Modelle seien für Bausparer besonders unvorteilhaft.
[...]
Die Sache mit dem Bausparen erklären (auf den DVAG-Seminaren) Referenten der Badenia, über Versicherungen dozieren Herren der Aachener und Münchener“.

Hoppla! Die Badenia?
Natürlich! Die DVAG gehört zu knapp 50% zum Aachener-Münchener-Beteiligungs-Konzern (jetzt AMB-Generali) zu dem auch die Badenia Bausparkasse gehört. Seit 25 Jahren schon lässt die Badenia den Großteil ihrer Bausparverträge wie auch die Aachener und Münchener ihre Versicherungen durch die DVAG vermitteln.

Mit allen Mitteln hat der einflussreiche Herr Pohl versucht, Wolfgang Dahm und den Spiegel wegen geschäftsschädigender Falschaussagen gerichtlich zu belangen. Bis hinauf zum BGH wurden seine Klagen komplett abgewiesen!

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1.4. Das Abzock-Geschäft geht weiter

An den Geschäftspraktiken der DVAG hat sich seit 1996 nicht viel geändert.
Verbraucherverbände warnen bis zum heutigen Tage regelmäßig vor der DVAG. Was die Badenia allerdings nicht daran hindert, zum Wohle der Bilanzen bei Bausparverträgen sehr eng mit dem unseriösen Vertrieb zusammenzuarbeiten: Reinfried Pohl (jun.), Vorstandsmitglied der DVAG, sitzt im Aufsichtsrat der Badenia und Karlheinz Henge, Vorstandsvorsitzender der Badenia, ist Aufsichtsratsmitglied bei der DVAG.

In 2001 hat die Aachener und Münchener nach eigenen Angaben im Neugeschäft einen Zuwachs von 23,7 Prozent erzielt. 78 Prozent dieses Neugeschäfts hat die DVAG erbracht. Für 2002 hat die AM angekündigt, 600.000 „Riester“-Renten verkaufen zu wollen. Herr Henge (Badenia) beklagt bitter, dass Bausparverträge bisher nicht in die Riester-Förderung einbezogen sind. Der Frust des cleveren Bankers ist verständlich, wo sich doch hier ein verlockendes Abzock-Paradies aufgetan hat!

Übrigens: Kooperationsverträge der DVAG bestehen auch mit anderen namhaften deutschen Banken:

„Namhaft“ sind gerade diese Banken für hunderttausende Geschädigte als Finanzierer ihrer Abzock-Immobilien!

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2. Badenia und Heinen&Biege

2.1. Aachener-Münchener Beteiligungskonzern und „Neue Heimat“-Immobilien

Nachdem in den achtziger Jahren gutverdienende Kapitalanleger reihenweise nach dem Bauherrenmodell (Motto: Steuern sparen!) von Immobilienhaien abgezockt worden waren und diese Masche nicht mehr zog, wurde der riesige Bevölkerungsteil mit kleinen und mittleren Einkommen als mögliche Opfer entdeckt. Hier bot sich ein ergiebiges Betätigungsfeld für Immobilien-Strukturvertriebe, die wie Pilze aus dem Boden schossen und bis heute Hunderttausende um gewaltige Summen betrogen und zum Teil ruiniert haben. Die profitablen Vorteile der Zusammenarbeit mit Strukturvertrieben kennen der Aachener und Münchener Beteiligungs-Konzern (AMB) und die Badenia hinlänglich durch ihren Pakt mit der DVAG.

Der AMB - Konzern hatte Mitte der achtziger Jahre dem Gewerkschaftskonzern BGAG, der durch den skandalösen Absturz der „Neuen Heimat“ in ein finanzielles Desaster geraten war, spektakulär aus der Patsche geholfen. Die gewaltigen Schulden der „Neuen Heimat“ konnten nur durch teilweisen oder kompletten Notverkauf traditionsreicher Gewerkschaftsgesell-schaften abgetragen werden. Die AMB übernahm große Anteile an der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) und der Volksfürsorge. Für den heruntergekommenen Wohnungsbestand der „Neuen Heimat“ (320.000 Mietwohnungen!) konnten nur mit großer Mühe Käufer gefunden werden. Einen Teil der Wohnung verwertete die BGAG selbst in eigenen Gesellschaften weiter und teilweise wurden sie von Bundesländern und Kommunen übernommen. Der Panikverkauf von 190.000 Wohnungen (für 1,- DM!!) an einen Berliner Brotfabrikanten im September 1986 musste nach wütenden Protesten der verängstigten Mieter und der Öffentlichkeit rückgängig gemacht werden. Die BGAG-Tochter „ALLWO“ (Hannover) übernahm 1988 in Niedersachsen – vermutlich zu einem Schleuderpreis - 8.166 Wohneinheiten der „Neuen Heimat“. Bald wurde auch die ALLWO von der AMB übernommen. Zwischen der ALLWO und der Konzernschwester Badenia bestehen sehr enge Beziehungen: ca. 13% des Grundkapitals der ALLWO gehören der Badenia, folgerichtig hat man auch wechselseitig Aufsichtsratsposten besetzt. Die Badenia und die BfG - mit der Badenia durch besondere Kooperationsverein-barungen verbunden - durften ein „natürliches“ Interesse an erfolgreichen Immobiliengeschäften ihrer Konzernschwester ALLWO gehabt haben.

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2.2. Heine&Biege als „genialer“ Vertriebspartner für Immobilien, Bausparverträge und Immobilienkredite

Genau passend fügte sich die Firma Immobilien Heinen & Biege (IHB) in dieses Interessengeflecht ein. Uwe Heinen und Laurenz Biege bauten, nachdem sie das Immobilienverkaufen bei der berüchtigten Firma Köllner gelernt haben, ihre eigene Firma als Strukturvertrieb auf und boten seit Anfang der neunziger Jahre für die ALLWO den „Neue-Heimat-Schrott“ einer breiten Masse in Finanzdingen unerfahrener Kleinverdiener als „Kapitalanlage“ an. Kein Zufall dürfte es sein, dass bald auch Objekte der Firma ALLBODEN (Hannover) im Angebotsprogramm der IHB standen (Helgolandhaus Wilhelmshaven): auch die ALLBODEN hat ihre Wurzeln in der „Neuen Heimat“ und zwischen ALLBODEN und ALLWO gab es enge personelle Verbindungen.

Das inzwischen weitverbreitete perfide Strickmuster des Immobiliebluffs sah so aus: „Die Immobilie als Sorglospaket ohne Eigenkapital“: alle ungewohnten und lästigen Formalitäten wie Verhandlungen mit dem Verkäufer, Terminabsprache mit dem Notar, Ausfüllen der Antragsformulare für Kreditvertrag und Bausparverträge (Badenia / BfG haben den Kredit für das Objekt bereits zugesagt!), sogar die Vermietung und Verwaltung der Wohnung (Mietpool) wurden von IHB geregelt. Die finanzielle Belastung für Zinsen und Tilgung war nach überzeugender „Beispielrechnung“ durch die prognostizierten ansehnlichen Mieterträge und die Steuerersparnis auch für Geringverdiener überschaubar (unter 300,- DM pro Monat selbst bei Krediten von über 400.000,- DM). Die „Gewähr für die Werthaltigkeit“ der Immobilie bot die bereits zugesagte Beleihung durch die „seriöse“ Badenia und BfG –zum Teil auch LBW u.a.).

Zweifel konnten nicht aufkommen, denn diese wurden durch geschicktes Ausweichen, Verschleiern, Vernebeln und Ablenken der IHB-Struckis mit suggerierter Kompetenz und in vertrauensfördernder Atmosphäre zerstreut. Bedenkzeit wurde durch künstlichen Zeitdruck („Steuergewinn durch Jahresendgeschäft“ und „baldiger Ausverkauf“) ausgeredet. Die Vertuschung war noch für einen längeren Zeitraum gut vorbereitet: Die Mietpools (verwaltet von der IHB-Tochter HMG) zahlten die prognostizierten Mieten zwei bis drei Jahre lang, obwohl die Aufrechnung von Mieteinnahmen und Kosten in keinem Objekt diese Beträge erbrachten. Eine hohe Verschuldung der Mietpools auf Kosten der Eigentümer wurde in Kauf genommen, die diesen ab 1998 per Abrechnung offengelegt wurde. Kurz nach dem bösen Erwachen der Anleger brach das IHB-Firmengeflecht branchenüblich durch Insolvenz (2000) zusammen.

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2.3. Badenia – getrübte Wahrnehmung für Betrug?

Der Betrug ist nun seit Jahren manifest:

Gewinner:

  1. ALLWO, ALLBODEN und einige andere Firmen, die ihre schwer oder gar nicht verkäuflichen Wohnungen zu einem guten Preis an den Mann gebracht haben;
  2. Heinen&Biege, die 30% und mehr an Provision auf die Verkäufer– Preise kassiert haben;
  3. die Badenia Bausparkasse, die BfG und andere Banken, die lukrative Kredit- und Bausparverträge abgeschlossen haben.
Verlierer: die Käufer,
Die Badenia aber schreibt:

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2.4. Wissensvorsprung der Badenia - fatale Folgen für die Anleger

2.4.1. Objekte:

Einige Objekte waren zum Zeitpunkt des Verkaufs (Beleihungswertermittlung!) durch ihren Zustand bereits unvermietbar oder überhaupt noch nicht fertiggestellt. Mietpools waren durch verschleiernde Mietausschüttungen, die nicht durch die tatsächliche Einnahmen-Kosten-Relation gerechtfertigt waren, in Unterdeckung geraten, so dass die Käufer durch den Zwangsbeitritt (Klausel des Kreditvertrags der Badenia!) beim Kauf bereits, ohne es zu wissen, hohe Schulden übernahmen!

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2.4.2. Verkehrswert – Beleihungswert:

Bei der Kreditvergabe für eine Immobilie muss der Beleihungswert/Verkehrswert ermittelt werden. Dies war für die Badenia ein Leichtes: die Konzernschwester ALLWO verfügte als Käuferin/Verkäuferin über die entsprechenen Unterlagen und die ALLBODEN konnte für den Neubau Helgolandhaus ebenfalls alle Unterlagen bereitstellen (es gab/gibt komplette Preislisten der ALLBODEN für die Wohnungen).

Die Badenia musste erstens die horrende Differenz zwischen Verkehrswert und Verkaufspreis (30% und mehr = Provision für Heinen&Biege) registrieren (rechtlich relevanter „Wissensvorsprung!); zweitens war der Badenia zweifelsfrei bewusst, dass sie mit ihrer Kreditvergabe die Beleihungsgrenze um 100% und mehr überschritt und damit eklatant gegen das Bausparkassengesetz verstieß.

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2.4.3. Finanzierung:

Der Kauf der Wohnungen konnte der vorgesehenen Käuferschicht nur dadurch schmackhaft gemacht werden, dass die Belastungen für Zinsen und Tilgung gering erschienen. Folglich konstruierte man ein Finanzierungsmodell, das für die ersten Jahre tatsächlich eine geringe Belastung vorgaukelte. Bei den Beratungen tauchten natürlich nur die konkreten Zahlen für die Anfangsphase auf.

So wurden Mieteinnahmen im Darlehensantrag eingegeben, die weit über der örtlich erzielbaren Miete lagen. Die Badenia hätte diese Falschangabe der Vermittler, die für den Bereich der Finanzierung als ihre „Erfüllungsgehilfen“ gelten, korrigieren müssen, da bei der Ermittlung des Verkehrswerts üblicherweise der örtliche Mietspiegel in die Bewertung einbezogen wird. Die Falschinformation durch die Vermittler musste der Badenia auch dadurch augenfällig werden, dass innerhalb derselben Wohnung einzelnen Teilerwerbern krass voneinander abweichende Mieteinnahmen ausgewiesen worden sind (Diskrepanzen von 5,- DM pro m² - zwischen 14,- und 19,-DM - im Helgolandhaus).

Auch die Gestaltung der Bausparverträge (2 hintereinandergeschaltete Verträge, mit denen der Kredit getilgt wird) gehört zum System der Vertuschung der eigentlichen langfristigen Belastung. Die Besparung mit dem Regelsparbeitrag hätte die Käufer wegen der hohen Beitragssumme mit Sicherheit abgeschreckt, deshalb hat man eine Sonderform der Besparung gewählt, die mit einem unscheinbaren Betrag beginnt (ein Fünftel des Regelsparbeitrags!) aber dann kontinuierlich ansteigt. Diese Sparform ist in den Formularen der Badenia eigentlich gar nicht vorgesehen, deshalb wurde sie hinter dem vagen handschriftlichen Zusatz „dynamisch“ im Darlehensantrag versteckt. Bausparanträge, Annahmeurkunden und Darlehensanträge der Badenia sind hinsichtlich der Besparung in vielen Fällen völlig widersprüchlich. Erst in der Ausfertigung des Darlehensvertrages erfährt der Käufer in konkreten Zahlen, dass sich der Sparbeitrag innerhalb von 10 Jahren um das 1 ½-fache erhöht, aber damit immer noch nicht die Hälfte des Regelsparbeitrags erreicht. Daraus ergibt sich die unendlich lange Laufzeit des Kredits von etwa 30 bis 35!! Jahren. In diesem Zusammenhang wäre die Badenia-Bausparkasse zu einer detaillierten Beratung der Darlehensnehmer verpflichtet gewesen.

Vorbeugend wurde dieses Versäumnis dadurch „rechtlich abgesichert“, dass ein zusätzlicher Besuchsbericht bezüglich der Finanzierung durch einen Mitarbeiter von Heinen&Biege mit dem Käufer erstellt wurde. Auf diesen Bericht stützt die Badenia in gerichtlichen Auseinandersetzungen ihren Beweis einer ausreichend erfolgten Beratung und Information der Darlehensnehmer. Allerdings kam auch dieser Bericht mit den bewährten Mitteln (Vertuschung, Verschleierung, Ablenkung in geschickt erzeugter Vertrauens-Atmosphäre) der Drücker von Heinen&Biege (als Erfüllungsgehilfen der Badenia!) zustande. Hauptsächlich wegen dieses die Finanzierung betreffenden Beratungsversäumnisses hat das Landgericht Wiesbaden im Dezember 2001 der Vollstreckungsgegenklage einer Geschädigten stattgegeben und die Ansprüche der Badenia auf Vollstreckung ins Vermögen der Darlehensnehmerin zurückgewiesen.

Die den Immobilienkäufern aufgedrückte Finanzierung ist im übrigen im Vergleich zu einem üblichen Hypothekendarlehen mit 20 Jahren Laufzeit und 1% Tilgung völlig überteuert. Wie ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger errechnet hat, belaufen sich die Mehrkosten der Badenia-Finanzierung bei einem Darlehen von 280.100,- DM auf sage und schreibe 170.000,- DM. Die Laufzeit von 35 Jahren bedeutet zudem für ältere Kreditnehmer statt Altersvorsorge eine lebenslange Verschuldung, die – wie die Badenia eiskalt erläutert – natürlich im Todesfalle auf die Erben übergeht.

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2.5. Warnsignale – na und?

Sicher nicht zufällig erscheint im Jahresbericht 1996 des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen folgende Feststellung bezüglich einzelner Bausparkassen:
„Von einer ordnungsgemäßen Geschäftsführung wird künftig nur auszugehen sein, wenn die Geschäftsleiter der Bausparkassen eine sorgfältige Auswahl und Kontrolle der Innen- und Außendienstmitarbeiter unter dem Gesichtspunkt der Zuverlässigkeit durch die in der Erklärung geschilderten Verfahren sicherstellen. Die Bausparkassen haben sich insbesondere vor der Aufnahme der Zusammenarbeit mit neuen Vermittlern von deren Zuverlässigkeit durch die Nutzung aller verfügbaren Erkenntnisquellen zu überzeugen. Sofern die Überprüfung keine Gewähr für eine ordnungsgemäße Ausübung der Vermittlertätigkeit bietet, ist von einer Zusammenarbeit Abstand zu nehmen. Wenden Vermittler rechtswidrige und/oder gegen die guten Sitten verstoßende Vertriebsmethoden an, ist die Zusammenarbeit nach erfolgloser Abmahnung unverzüglich zu beenden. Bei Kooperationspartnern mit mehrstufigen Organisationsformen ist die erstmalige und laufende Überprüfung der Zuverlässigkeit auf jeder Vermittlerstufe durch eine entsprechende vertragliche Vereinbarung sicherzustellen.“
[...]
“In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, daß 1996 die Mehrheit der Kundenbeschwerden über Bausparkassen wiederum im Zusammenhang mit dem Vertragsabschluß stand. Insbesondere die Anzahl und der Inhalt von Beschwerden über einzelne Bausparkassen, die mit Strukturvertriebsorganisationen zusammenarbeiten, ist weiterhin unbefriedigend.“

Nachdem schon 1996 die ersten Darlehensnehmer mit den Belastungen überfordert waren und die Zahlungen einstellen mussten, konnte die Badenia nicht mehr daran vorbeisehen, dass die Bonität der Kunden von den IHB-Drückern bis über die Grenzen des Vertretbaren ausgereizt wurde. Hier spätestens wäre eine Korrektur angebracht gewesen.

Schriftverkehr zwischen Badenia und Heinen&Biege belegt, dass die Vertriebsmethoden der IHB durchaus bekannt waren und von daher Probleme befürchtet wurden. Spätestens seit 1995 war der desolate Zustand einzelner HMG-Mietpools (z. B. Melle) auch bei der Badenia Anlass zur Besorgnis und zur finanziellen Stützung des gewinnbringenden Vertriebspartners.

So bedurfte es eigentlich nicht erst des enthüllenden Berichtes in Finanztest 2/98 über die miesen Geschäfte von Heinen&Biege, um die Badenia an ihre Verantwortung gegenüber den Darlehensnehmern zu erinnern.

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2.6. Badenia - Volldampf voraus!

Die Badenia hat jedoch nichts geändert. Mindestens bis 1999 hat sie von Heinen&Biege verkaufte Wohnungen nach „bewährtem“ Muster finanziert.
Zahlungsunfähigen gegenüber besteht Sie knallhart auf ihrem „Recht“ und leitet die Zwangsvollstreckung ein. Einem 53jährigen arbeitslosen Busfahrer aus Gera werden seit November 2001 von seinem Arbeitslosengeld (63,65 DM pro Tag) per Zwangsvollstreckung 4,41 DM für die das Darlehen der Badenia einbehalten.

Nach dem Bericht des Insolvenzverwalters hat die Badenia Bausparkasse mit Nachdruck im Insolvenzverfahren der Fa. HMG (Mietpoolverwalterin der Heinen&Biege-Gruppe) zu erreichen versucht, dass der Insolvenzverwalter sich dafür verwendet, dass die einzelnen Mietpools nach dem (betrugsorientierten!) Konzept der HMG von anderen Gesellschaften (u. a. der VOW in Braunschweig, in der ehemalige Mitarbeiter der HMG in führender Position tätig sind!) weitergeführt werden. Zitat (aus dem Bericht des Insolvenzverwalters): „Das besondere Interesse der Badenia Bausparkasse ergab sich aus der Tatsache, dass nur im Falle einer ordnungsgemäßen Verwaltung die Eigentümer in der Lage sind, ihre Verpflichtungen gegenüber der Badenia Bausparkasse zu erfüllen.“ Der Insolvenzverwalter hat sich von diesem Ansinnen distanziert.
Die Sorge der Badenia um die Mietpools rührt vermutlich auch - oder vor allem – daher, dass sie um den Verlust der Darlehen fürchtet, die sie und die Kooperationspartnerin Commerzbank vielen notleidenden Mietpools zur Stützung (=Verschleierung des Nicht-Funktionierens!) gewährt hat.

Heinen&Biege-Geschädigte, die inzwischen keine Darlehenszinsen mehr zahlen (können), werden – wie z.B. Herr Kowalski aus Sarstedt detailliert berichten kann - im Auftrag der Badenia von Mitarbeitern der „Gesellschaft für strategische Unternehmungsberatung“ (GSU) mit dem Ziel aufgesucht, Wege zu finden, wie der Zahlungsfluss wieder hergestellt werden kann. Maßgebliche Mitarbeiter der GSU waren vorher bei der „Baufinanz“ (ebenfalls Heinen&Biege-Tochter!) tätig.

Mit derartigen Maßnahmen macht die Badenia deutlich, dass sie sich mit dem Immobilienvertrieb nach Heinen&Biege-Art und dessen Folgen identifiziert und bestätigt die Vermutung, dass sie das Strukturvertrieb-Abzock-Konzept von Anfang an mit getragen hat.
Im Geschäftsbericht 2000 weist die Badenia scheinheilig darauf hin, dass bei Zwangsversteigerungen ein „trauriger Rekord“ zu verzeichnen sei. Zur Erklärung heißt es: „Der Gang zum Amtsgericht begründet sich zumeist auf Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung oder einfach auf finanzieller Selbstüberschätzung“.„Falschberatung durch den Vertriebspartner"und„Täuschung durch unterlassene Beratung der Bausparkasse"als Gründe für die Zahlungsunfähigkeit hat man wohlweislich unterschlagen.

Badenia...? Nein danke!

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letzte Änderung: 17.3.2002
Inhalt: Hans-Jürgen Höger - Gestaltung: Jens Höger - © 2002 Hans-Jürgen Höger