Unseriöses Geschäftsverhalten der Badenia Bausparkasse
Strukturvertriebe sind als Drücker- und Abzockfirmen in der
Finanzierungsvermittlungs-branche für private Anleger berüchtigt. Für die Jahre
1990 bis 1995 heißt es in einer Statistik des Bundeskriminalamtes, dass für die
pro Jahr auf 40 bis 50 Milliarden DM geschätzten Vermögensschäden mindestens zu
25 Prozent Strukturvertriebe verantwortlich seien (Verlag Handelsblatt Artikel
02/99).
Die Geschichte der Strukturvertriebe in Deutschland beginnt 1956 mit Bernie
Cornfeld, der aus den USA das „Multi Level Marketsystem – dt.: mehrstufiges
Markteroberungssystem“ (MLM) als Vertriebsform für seine
Investment-Gesellschaft IOS mitbrachte. Mit astronomischen Erfolgen seiner
Investmentfonds sorgte er für Aufregung in der deutschen Finanzwelt. Die
geschickte Einbindung des damaligen Vizekanzlers Erich Mende (FDP) als
Verwaltungsrat-Vorsitzenden machte die IOS zunächst „salonfähig“; doch 1970
ging das IOS-Imperium unter skandalösen Umständen mit Totalverlusten für die
Anleger zugrunde.
Das System des „Strukturvertriebs“ hatte sich jedoch als äußerst profitabel
erwiesen und wurde aggressiv weiterentwickelt. Dr. Reinfried Pohl, ehemaliger
stellvertretender Vorsitzender des IOS-Verwaltungsrats, und andere gründeten
unverzüglich neue „Allfinanz“-Gesellschaften.
Zusammen mit dem Deutschen Herold entwickelte Dr. Pohl die „Bonnfinanz“ zum
ersten rein deutschen Allfinanz-Strukturvertrieb. Nach Turbulenzen im Gefolge
des Börsenkrachs von 1974 trennte sich die „Bonnfinanz“ von Pohl, der daraufhin
eine eigene Gesellschaft gründete, die ab 1983 als DVAG (Deutsche
Vermögensberatung AG) firmiert. Die DVAG entwickelte sich in wenigen Jahren zum
größten und erfolgreichstenVermittler für Versicherungen, Bausparverträge und
andere Geldanlagen.
Garanten des Erfolges sind allerdings nicht etwa gute, kundenorientierte
Produkte sondern vielmehr die aggressive, auf Provisionen ausgerichtete
Verkaufsstrategie des mehrstufigen Strukturvertriebs. Produkte, die hohe
Provisionen für die Vermittler abwerfen, sind zwangsläufig für die Anleger
unrentabel bis schädlich.
Auf der untersten Ebene vermittelt ein Heer von Berufseinsteigern und
Nebenberuflern die Produkte der kooperierenden Versicherungsgesellschaften,
Bausparkassen, Investment- und Immobilienfonds. Deren Ausbildung erfolgt in
Kurzseminaren und beschränkt sich auf perfide Verkaufsgesprächsführung und
sektenähnlicher Psycho-Indoktrination ( „Mit unserer starken Gesellschaft bist
du erfolgreich..., wirst du reich!!“). Zunächst wird das persönliche Umfeld
(Verwandte, Bekannte, Arbeitskollegen und Vereinsfreunde) abgegrast. Der
Vertrauensvorschuss aus der persönlichen Bekanntschaft wird in Zusammenwirkung
mit suggerierter Kompetenz und Psychotricks wie Irreführung, Verschleierung und
Zeitdruck brutal zu Überrumpelungsgeschäften missbraucht.
Die Provisionen sind auf der unteren Stufe noch gering, da der Großteil den in
der Hierarchie oberhalb Stehenden zugute kommt. Deshalb versuchen die „Drücker“
oder „Strukkis“ gleichzeitig die übertölpelten Kunden als neue Mitarbeiter zu
gewinnen, die dann ihren Bekanntenkreis abgrasen und an deren Provisionen die
Erstgenannten jetzt mitverdienen. So kann es dann – mit Skrupellosigkeit und
entsprechendem „Erfolg“ – Stufe um Stufe höher gehen.
Anfang des Jahres1996 enthüllt Wolfgang Dahm, Aussteiger aus der DVAG, deren
Abzocksystem in seinem Buch „Beraten und verkauft“. In dem aufsehenerregenden
Artikel „Ein Heer von Nieten“ berichtet der Spiegel im Februar 1996 über diese
Enthüllungen. Zitate aus dem Spiegel-Artikel:
„Das Wirtschaftsmagazin DM ließ für die Februarausgabe (1996) Empfehlungen
eines DVAG-Geschäftsstellenleiters von Experten nachrechnen. Das Ergebnis war
vernichtend.
Die Rendite-Versprechungen eines Bausparvertrags erwiesen sich als
Milchmädchenrechnung. Bei der als Altersversorgung vorgeschlagenen Rentenpolice
- 300,- DM im Monat, 30 Jahre lang – büße der Kunde, so rechnete ein
Mathematiker aus, zum Ende 78.009,- Mark ein.
[...]
Um Provisionen zu schinden, so der Aussteiger, würden der ahnungslosen
Kundschaft Bausparverträge mit überhöhten Summen aufgeschwatzt oder
hintereinandergeschaltete Verträge verkauft – die sogenannten Tandem-Modelle
seien für Bausparer besonders unvorteilhaft.
[...]
Die Sache mit dem Bausparen erklären (auf den DVAG-Seminaren) Referenten der Badenia, über Versicherungen dozieren Herren der Aachener und Münchener“.
Hoppla! Die Badenia?
Natürlich! Die DVAG gehört zu knapp 50% zum
Aachener-Münchener-Beteiligungs-Konzern (jetzt AMB-Generali) zu dem auch die
Badenia Bausparkasse gehört. Seit 25 Jahren schon lässt die Badenia den
Großteil ihrer Bausparverträge wie auch die Aachener und Münchener ihre
Versicherungen durch die DVAG vermitteln.
Mit allen Mitteln hat der einflussreiche Herr Pohl versucht, Wolfgang Dahm und
den Spiegel wegen geschäftsschädigender Falschaussagen gerichtlich zu belangen.
Bis hinauf zum BGH wurden seine Klagen komplett abgewiesen!
An den Geschäftspraktiken der DVAG hat sich seit 1996 nicht viel geändert.
Verbraucherverbände warnen bis zum heutigen Tage regelmäßig vor der DVAG. Was
die Badenia allerdings nicht daran hindert, zum Wohle der Bilanzen bei
Bausparverträgen sehr eng mit dem unseriösen Vertrieb zusammenzuarbeiten:
Reinfried Pohl (jun.), Vorstandsmitglied der DVAG, sitzt im Aufsichtsrat der
Badenia und Karlheinz Henge, Vorstandsvorsitzender der Badenia, ist
Aufsichtsratsmitglied bei der DVAG.
In 2001 hat die Aachener und Münchener nach eigenen Angaben im Neugeschäft
einen Zuwachs von 23,7 Prozent erzielt. 78 Prozent dieses Neugeschäfts hat die
DVAG erbracht. Für 2002 hat die AM angekündigt, 600.000 „Riester“-Renten
verkaufen zu wollen. Herr Henge (Badenia) beklagt bitter, dass Bausparverträge
bisher nicht in die Riester-Förderung einbezogen sind. Der Frust des cleveren
Bankers ist verständlich, wo sich doch hier ein verlockendes Abzock-Paradies
aufgetan hat!
Übrigens: Kooperationsverträge der DVAG bestehen auch mit anderen namhaften
deutschen Banken:
Nachdem in den achtziger Jahren gutverdienende Kapitalanleger reihenweise nach
dem Bauherrenmodell (Motto: Steuern sparen!) von Immobilienhaien abgezockt
worden waren und diese Masche nicht mehr zog, wurde der riesige
Bevölkerungsteil mit kleinen und mittleren Einkommen als mögliche Opfer
entdeckt. Hier bot sich ein ergiebiges Betätigungsfeld für
Immobilien-Strukturvertriebe, die wie Pilze aus dem Boden schossen und bis
heute Hunderttausende um gewaltige Summen betrogen und zum Teil ruiniert haben.
Die profitablen Vorteile der Zusammenarbeit mit Strukturvertrieben kennen der
Aachener und Münchener Beteiligungs-Konzern (AMB) und die Badenia hinlänglich
durch ihren Pakt mit der DVAG.
Der AMB - Konzern hatte Mitte der achtziger Jahre dem Gewerkschaftskonzern
BGAG, der durch den skandalösen Absturz der „Neuen Heimat“ in ein finanzielles Desaster geraten war, spektakulär aus der Patsche
geholfen. Die gewaltigen Schulden der „Neuen Heimat“ konnten
nur durch teilweisen oder kompletten Notverkauf traditionsreicher
Gewerkschaftsgesell-schaften abgetragen werden. Die AMB übernahm große Anteile
an der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) und der Volksfürsorge.
Für den heruntergekommenen Wohnungsbestand der „Neuen Heimat“ (320.000
Mietwohnungen!) konnten nur mit großer Mühe Käufer gefunden werden. Einen Teil
der Wohnung verwertete die BGAG selbst in eigenen Gesellschaften weiter und
teilweise wurden sie von Bundesländern und Kommunen übernommen. Der
Panikverkauf von 190.000
Wohnungen (für 1,- DM!!) an einen Berliner Brotfabrikanten im September 1986
musste nach wütenden Protesten der verängstigten Mieter und der Öffentlichkeit
rückgängig gemacht werden. Die BGAG-Tochter „ALLWO“ (Hannover) übernahm 1988 in Niedersachsen – vermutlich zu einem Schleuderpreis
- 8.166 Wohneinheiten der „Neuen Heimat“. Bald wurde auch die ALLWO von der
AMB übernommen. Zwischen der ALLWO und der Konzernschwester Badenia bestehen
sehr enge Beziehungen: ca. 13% des Grundkapitals der ALLWO gehören der Badenia,
folgerichtig hat man auch wechselseitig Aufsichtsratsposten besetzt. Die
Badenia und die BfG - mit der Badenia durch besondere
Kooperationsverein-barungen verbunden - durften ein „natürliches“ Interesse an
erfolgreichen Immobiliengeschäften ihrer Konzernschwester ALLWO gehabt haben.
Genau passend fügte sich die Firma Immobilien Heinen & Biege (IHB) in dieses
Interessengeflecht ein. Uwe Heinen und Laurenz Biege bauten, nachdem sie das
Immobilienverkaufen bei der berüchtigten Firma Köllner gelernt haben, ihre
eigene Firma als Strukturvertrieb auf und boten seit Anfang der neunziger Jahre
für die ALLWO den „Neue-Heimat-Schrott“ einer breiten Masse in Finanzdingen
unerfahrener Kleinverdiener als „Kapitalanlage“ an.
Kein Zufall dürfte es sein, dass bald auch Objekte der Firma ALLBODEN (Hannover) im Angebotsprogramm der IHB standen (Helgolandhaus Wilhelmshaven): auch die ALLBODEN hat ihre Wurzeln in der „Neuen Heimat“ und
zwischen ALLBODEN und ALLWO gab es enge personelle Verbindungen.
Das inzwischen weitverbreitete perfide Strickmuster des Immobiliebluffs sah so
aus: „Die Immobilie als Sorglospaket ohne Eigenkapital“: alle ungewohnten und lästigen Formalitäten wie Verhandlungen mit dem
Verkäufer, Terminabsprache mit dem Notar, Ausfüllen der Antragsformulare für
Kreditvertrag und Bausparverträge (Badenia / BfG haben den Kredit für das
Objekt bereits zugesagt!), sogar die Vermietung und Verwaltung der Wohnung
(Mietpool) wurden von IHB geregelt. Die finanzielle Belastung für Zinsen und
Tilgung war nach überzeugender „Beispielrechnung“ durch die prognostizierten
ansehnlichen Mieterträge und die Steuerersparnis auch für Geringverdiener
überschaubar (unter 300,- DM pro Monat selbst bei Krediten von über 400.000,-
DM). Die „Gewähr für die Werthaltigkeit“ der Immobilie bot die bereits
zugesagte Beleihung durch die „seriöse“ Badenia und BfG –zum Teil auch LBW
u.a.).
Zweifel konnten nicht aufkommen, denn diese wurden durch geschicktes
Ausweichen, Verschleiern, Vernebeln und Ablenken der IHB-Struckis mit
suggerierter Kompetenz und in vertrauensfördernder Atmosphäre zerstreut.
Bedenkzeit wurde durch künstlichen Zeitdruck („Steuergewinn durch
Jahresendgeschäft“ und „baldiger Ausverkauf“) ausgeredet.
Die Vertuschung war noch für einen längeren Zeitraum gut vorbereitet: Die
Mietpools (verwaltet von der IHB-Tochter HMG) zahlten die prognostizierten
Mieten zwei bis drei Jahre lang, obwohl die Aufrechnung von Mieteinnahmen und
Kosten in keinem Objekt diese Beträge erbrachten. Eine hohe Verschuldung der
Mietpools auf Kosten der Eigentümer wurde in Kauf genommen, die diesen ab 1998
per Abrechnung offengelegt wurde. Kurz nach dem bösen Erwachen der Anleger
brach das IHB-Firmengeflecht branchenüblich durch Insolvenz (2000) zusammen.
Der Betrug ist nun seit Jahren manifest:
Gewinner:
Einige Objekte waren zum Zeitpunkt des Verkaufs (Beleihungswertermittlung!) durch ihren Zustand bereits unvermietbar oder überhaupt noch nicht fertiggestellt. Mietpools waren durch verschleiernde Mietausschüttungen, die nicht durch die tatsächliche Einnahmen-Kosten-Relation gerechtfertigt waren, in Unterdeckung geraten, so dass die Käufer durch den Zwangsbeitritt (Klausel des Kreditvertrags der Badenia!) beim Kauf bereits, ohne es zu wissen, hohe Schulden übernahmen!
AnfangBei der Kreditvergabe für eine Immobilie muss der Beleihungswert/Verkehrswert
ermittelt werden. Dies war für die Badenia ein Leichtes: die Konzernschwester
ALLWO verfügte als Käuferin/Verkäuferin über die entsprechenen Unterlagen und
die ALLBODEN konnte für den Neubau Helgolandhaus ebenfalls alle Unterlagen
bereitstellen (es gab/gibt komplette Preislisten der ALLBODEN für die
Wohnungen).
Die Badenia musste erstens die horrende Differenz zwischen Verkehrswert und
Verkaufspreis (30% und mehr = Provision für Heinen&Biege) registrieren
(rechtlich relevanter „Wissensvorsprung!); zweitens war der Badenia
zweifelsfrei bewusst, dass sie mit ihrer Kreditvergabe die Beleihungsgrenze um
100% und mehr überschritt und damit eklatant gegen das Bausparkassengesetz
verstieß.
Der Kauf der Wohnungen konnte der vorgesehenen Käuferschicht nur dadurch
schmackhaft gemacht werden, dass die Belastungen für Zinsen und Tilgung gering
erschienen. Folglich konstruierte man ein Finanzierungsmodell, das für die
ersten Jahre tatsächlich eine geringe Belastung vorgaukelte. Bei den Beratungen
tauchten natürlich nur die konkreten Zahlen für die Anfangsphase auf.
So wurden Mieteinnahmen im Darlehensantrag eingegeben, die weit über der örtlich erzielbaren Miete
lagen. Die Badenia hätte diese Falschangabe der Vermittler, die für den Bereich
der Finanzierung als ihre „Erfüllungsgehilfen“ gelten, korrigieren müssen, da
bei der Ermittlung des Verkehrswerts üblicherweise der örtliche Mietspiegel in
die Bewertung einbezogen wird. Die Falschinformation durch die Vermittler
musste der Badenia auch dadurch augenfällig werden, dass innerhalb derselben
Wohnung einzelnen Teilerwerbern krass voneinander abweichende Mieteinnahmen
ausgewiesen worden sind (Diskrepanzen von 5,- DM pro m² - zwischen 14,- und
19,-DM - im Helgolandhaus).
Auch die Gestaltung der Bausparverträge (2 hintereinandergeschaltete Verträge, mit denen der Kredit getilgt wird)
gehört zum System der Vertuschung der eigentlichen langfristigen Belastung. Die
Besparung mit dem Regelsparbeitrag hätte die Käufer wegen der hohen Beitragssumme mit Sicherheit abgeschreckt,
deshalb hat man eine Sonderform der Besparung gewählt, die mit einem
unscheinbaren Betrag beginnt (ein Fünftel des Regelsparbeitrags!) aber dann
kontinuierlich ansteigt. Diese Sparform ist in den Formularen der Badenia
eigentlich gar nicht vorgesehen, deshalb wurde sie hinter dem vagen
handschriftlichen Zusatz „dynamisch“ im Darlehensantrag versteckt.
Bausparanträge, Annahmeurkunden und Darlehensanträge der Badenia sind
hinsichtlich der Besparung in vielen Fällen völlig widersprüchlich. Erst in der
Ausfertigung des Darlehensvertrages erfährt der Käufer in konkreten Zahlen,
dass sich der Sparbeitrag innerhalb von 10 Jahren um das 1 ½-fache erhöht, aber
damit immer noch nicht die Hälfte des Regelsparbeitrags erreicht. Daraus ergibt
sich die unendlich lange Laufzeit des Kredits von etwa 30 bis 35!! Jahren. In
diesem Zusammenhang wäre die Badenia-Bausparkasse zu einer detaillierten
Beratung der Darlehensnehmer verpflichtet gewesen.
Vorbeugend wurde dieses Versäumnis dadurch „rechtlich abgesichert“, dass ein
zusätzlicher Besuchsbericht bezüglich der Finanzierung durch einen Mitarbeiter von Heinen&Biege mit
dem Käufer erstellt wurde. Auf diesen Bericht stützt die Badenia in
gerichtlichen Auseinandersetzungen ihren Beweis einer ausreichend erfolgten
Beratung und Information der Darlehensnehmer. Allerdings kam auch dieser
Bericht mit den bewährten Mitteln (Vertuschung, Verschleierung, Ablenkung in
geschickt erzeugter Vertrauens-Atmosphäre) der Drücker von Heinen&Biege (als
Erfüllungsgehilfen der Badenia!) zustande.
Hauptsächlich wegen dieses die Finanzierung betreffenden Beratungsversäumnisses
hat das Landgericht Wiesbaden im Dezember 2001 der Vollstreckungsgegenklage
einer Geschädigten stattgegeben und die Ansprüche der Badenia auf Vollstreckung
ins Vermögen der Darlehensnehmerin zurückgewiesen.
Die den Immobilienkäufern aufgedrückte Finanzierung ist im übrigen im Vergleich
zu einem üblichen Hypothekendarlehen mit 20 Jahren Laufzeit und 1% Tilgung
völlig überteuert. Wie ein öffentlich bestellter und vereidigter
Sachverständiger errechnet hat, belaufen sich die Mehrkosten der Badenia-Finanzierung bei einem Darlehen von 280.100,- DM auf sage und
schreibe 170.000,- DM.
Die Laufzeit von 35 Jahren bedeutet zudem für ältere Kreditnehmer statt
Altersvorsorge eine lebenslange Verschuldung, die – wie die Badenia eiskalt
erläutert – natürlich im Todesfalle auf die Erben übergeht.
Sicher nicht zufällig erscheint im Jahresbericht 1996 des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen folgende Feststellung bezüglich einzelner Bausparkassen:
„Von einer ordnungsgemäßen Geschäftsführung wird künftig nur auszugehen sein,
wenn die Geschäftsleiter der Bausparkassen eine sorgfältige Auswahl und
Kontrolle der Innen- und Außendienstmitarbeiter unter dem Gesichtspunkt der
Zuverlässigkeit durch die in der Erklärung geschilderten Verfahren
sicherstellen. Die Bausparkassen haben sich insbesondere vor der Aufnahme der
Zusammenarbeit mit neuen Vermittlern von deren Zuverlässigkeit durch die
Nutzung aller verfügbaren Erkenntnisquellen zu überzeugen. Sofern die
Überprüfung keine Gewähr für eine ordnungsgemäße Ausübung der
Vermittlertätigkeit bietet, ist von einer Zusammenarbeit Abstand zu nehmen.
Wenden Vermittler rechtswidrige und/oder gegen die guten Sitten verstoßende
Vertriebsmethoden an, ist die Zusammenarbeit nach erfolgloser Abmahnung
unverzüglich zu beenden. Bei Kooperationspartnern mit mehrstufigen
Organisationsformen ist die erstmalige und laufende Überprüfung der
Zuverlässigkeit auf jeder Vermittlerstufe durch eine entsprechende vertragliche
Vereinbarung sicherzustellen.“
[...]
“In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, daß 1996 die Mehrheit der
Kundenbeschwerden über Bausparkassen wiederum im Zusammenhang mit dem
Vertragsabschluß stand. Insbesondere die Anzahl und der Inhalt von Beschwerden
über einzelne Bausparkassen, die mit Strukturvertriebsorganisationen zusammenarbeiten, ist weiterhin unbefriedigend.“
Nachdem schon 1996 die ersten Darlehensnehmer mit den Belastungen überfordert
waren und die Zahlungen einstellen mussten, konnte die Badenia nicht mehr daran
vorbeisehen, dass die Bonität der Kunden von den IHB-Drückern bis über die
Grenzen des Vertretbaren ausgereizt wurde. Hier spätestens wäre eine Korrektur
angebracht gewesen.
Schriftverkehr zwischen Badenia und Heinen&Biege belegt, dass die
Vertriebsmethoden der IHB durchaus bekannt waren und von daher Probleme
befürchtet wurden. Spätestens seit 1995 war der desolate Zustand einzelner
HMG-Mietpools (z. B. Melle) auch bei der Badenia Anlass zur Besorgnis und zur
finanziellen Stützung des gewinnbringenden Vertriebspartners.
So bedurfte es eigentlich nicht erst des enthüllenden Berichtes in Finanztest 2/98 über die miesen Geschäfte von Heinen&Biege, um die Badenia an ihre
Verantwortung gegenüber den Darlehensnehmern zu erinnern.
Die Badenia hat jedoch nichts geändert. Mindestens bis 1999 hat sie von
Heinen&Biege verkaufte Wohnungen nach „bewährtem“ Muster finanziert.
Zahlungsunfähigen gegenüber besteht Sie knallhart auf ihrem „Recht“ und leitet
die Zwangsvollstreckung ein. Einem 53jährigen arbeitslosen Busfahrer aus Gera
werden seit November 2001 von seinem Arbeitslosengeld (63,65 DM pro Tag) per
Zwangsvollstreckung 4,41 DM für die das Darlehen der Badenia einbehalten.
Nach dem Bericht des Insolvenzverwalters hat die Badenia Bausparkasse mit
Nachdruck im Insolvenzverfahren der Fa. HMG (Mietpoolverwalterin der
Heinen&Biege-Gruppe) zu erreichen versucht, dass der Insolvenzverwalter sich
dafür verwendet, dass die einzelnen Mietpools nach dem (betrugsorientierten!)
Konzept der HMG von anderen Gesellschaften (u. a. der VOW in Braunschweig, in
der ehemalige Mitarbeiter der HMG in führender Position tätig sind!)
weitergeführt werden. Zitat (aus dem Bericht des Insolvenzverwalters): „Das
besondere Interesse der Badenia Bausparkasse ergab sich aus der Tatsache, dass
nur im Falle einer ordnungsgemäßen Verwaltung die Eigentümer in der Lage sind,
ihre Verpflichtungen gegenüber der Badenia Bausparkasse zu erfüllen.“ Der
Insolvenzverwalter hat sich von diesem Ansinnen distanziert.
Die Sorge der Badenia um die Mietpools rührt vermutlich auch - oder vor allem –
daher, dass sie um den Verlust der Darlehen fürchtet, die sie und die
Kooperationspartnerin Commerzbank vielen notleidenden Mietpools zur Stützung
(=Verschleierung des Nicht-Funktionierens!) gewährt hat.
Heinen&Biege-Geschädigte, die inzwischen keine Darlehenszinsen mehr zahlen
(können), werden – wie z.B. Herr Kowalski aus Sarstedt detailliert berichten
kann - im Auftrag der Badenia von Mitarbeitern der „Gesellschaft für
strategische Unternehmungsberatung“ (GSU) mit dem Ziel aufgesucht, Wege zu
finden, wie der Zahlungsfluss wieder hergestellt werden kann. Maßgebliche
Mitarbeiter der GSU waren vorher bei der „Baufinanz“ (ebenfalls
Heinen&Biege-Tochter!) tätig.
Mit derartigen Maßnahmen macht die Badenia deutlich, dass sie sich mit dem
Immobilienvertrieb nach Heinen&Biege-Art und dessen Folgen identifiziert und
bestätigt die Vermutung, dass sie das Strukturvertrieb-Abzock-Konzept von
Anfang an mit getragen hat.
Im Geschäftsbericht 2000 weist die Badenia scheinheilig darauf hin, dass bei Zwangsversteigerungen ein „trauriger Rekord“ zu verzeichnen sei. Zur Erklärung heißt es: „Der Gang
zum Amtsgericht begründet sich zumeist auf Arbeitslosigkeit, Krankheit,
Scheidung oder einfach auf finanzieller Selbstüberschätzung“.„Falschberatung durch den
Vertriebspartner"und„Täuschung durch unterlassene Beratung der Bausparkasse"als Gründe für die Zahlungsunfähigkeit hat man wohlweislich unterschlagen.
Badenia...? Nein danke!