Lockruf

Hunderttausendfach ist diese Geschichte gelaufen und läuft heute noch:

Von einem netten Menschen aus dem näheren Umfeld wurden/werden normalverdienende Menschen (kleine bis mittlere Einkommen) am Arbeitsplatz oder zu Hause mit den Verlockungen "Kapitalbildung zur Alterssicherung" und "Steuern sparen" angesprochen. Schon steht das Stichwort "Immobilienanlage" im Raum. Slogan: "Die Wertsteigerung von Immobilien ist die sicherste und beste Altersvorsorge".

Der Einwand, dass keine oder kaum Eigenmittel verfügbar sind, die "angelegt" werden könnten, wird überzeugend dadurch entkräftet, dass das clevere Konzept einer Immobilienfirma vorgestellt wird, nach dem die "Kapitalanlage" sich fast von alleine finanziert:

Ein attraktives Wohnobjekt wartet auf schnellentschlossene Käufer von Eigentumswohnungen oder Teileigentum. Eine seriöse Bank steht bereit, das entsprechende Darlehen auf der Grundlage einer Selbstauskunft über Einkommen und eventuellem Vermögenswerten zu gewähren. Zinsen und Tilgung des Darlehens werden durch die Mieteinnahmen und Steuerersparnis fast völlig gedeckt. Lästige Arbeit wie Mietersuche und Wohnungsverwaltung wird von der Immobilienfirma (spezialisierte Tochtergesellschaft) übernommen, die Mieteinnahme wird gar durch einen Mietpool garantiert. Eine fachmännische Beispielrechnung belegt alles mit überzeugenden Zahlen: 250,- DM Zuzahlung pro Monat, das schafft man doch locker. Kein Risiko: sollten später Bedenken entstehen, kann die Immobilie jederzeit allen Erfahrungen nach mit erheblichem Gewinn - wieder abgestoßen werden.

Alle Verträge sind unterschriftsreif vorbereitet, die Details bereits "pflegeleicht" geregelt, der Notar steht auf Abruf zur Verfügung.

Bei diesem "Rundum Service" mit all seinen vertrauensbildenden Faktoren kann ein Unerfahrener doch nicht lange zögern.

Blitzaktion an einem Nachmittag: Fahrt in beruhigender Begleitung des netten Vermittlers zur Immobilienfirma. Da die Überzeugungsarbeit geleistet ist, sind die vielen Unterschriften unter Anträge, Abtretungen, Vollmachten und Verträge reine Formsache.

So lief die Sache im Dezember 1994 für den Berichterstatter ab. Jetzt ist der Lehrer aus der Eifel durch ein Geschäft mit "Immobilien Heinen & Biege" (IHB), Sitz in Dortmund, Besitzer einer Eigentumswohnung im attraktiven Wohnobjekt Helgolandhaus in Wilhelmshaven, hat bei der Badenia Bausparkasse in Karlsruhe Schulden in Höhe von fast einer halben Million DM und zur langfristigen Bedienung des Kredits zwei Bausparverträge in entsprechender Höhe.

Betrug!Startseite
letzte Änderung: 23.5.2001
Inhalt: Hans-Jürgen Höger - Gestaltung: Jens Höger - © 2001 Hans-Jürgen Höger